Wer an einer Ausschreibung oder einem Förderantrag teilnimmt, stößt früher oder später auf die Haftpflichtversicherung als Ausschreibungsanforderung: eine bestimmte Deckung, eine geforderte Deckungssumme, ein beizufügender Nachweis, bis zu einer Frist. Die gute Nachricht: Das ist einer der am besten planbaren Anforderungstypen – wenn Sie nicht erst am letzten Tag beginnen. Dieser Artikel geht den Umgang mit Ausschreibungssituationen durch.
Die Bandbreite ist groß. Einfachere Ausschreibungen verlangen nur den Nachweis einer laufenden Haftpflichtversicherung, ohne inhaltliche Details. Ausgefeiltere legen einen Deckungstyp fest (Betriebs-, Berufshaftpflicht, mitunter ein Produkt- oder Umweltelement), eine Deckungssummen-Größenordnung, gelegentlich auch eine Selbstbeteiligungsgrenze, und schreiben sogar die Form des Nachweises vor. Die strengsten lassen den Gewinner eine projektspezifische Deckung abschließen. Im Vergabeumfeld richten sich die Anforderungen nach den jeweils geltenden Verfahrensregeln – maßgeblich ist der Wortlaut der Ausschreibung, und bei Fragen kann das Instrument der ergänzenden Auskunft genutzt werden.
Vier Schritte, in zeitlicher Reihenfolge. 1. Prüfung vor dem Start: Schauen Sie sich die Versicherungsanforderung schon bei der Entscheidung zur Teilnahme an – liegt die geforderte Deckung weit von Ihrer jetzigen entfernt, muss die Kosten der Erfüllung in die Kalkulation einfließen. 2. Abgleich mit der Police: Vergleichen Sie jedes Element der Anforderung mit Ihrer Police (Checkliste) – Deckungssumme, Typ, Erweiterungen, örtlicher Geltungsbereich. 3. Lücken in der Deckung schließen: Fehlt etwas, ist die Änderung des bestehenden Vertrags oder eine Zusatzdeckung die Lösung – das braucht Zeit, deshalb beginnen wir nicht erst in der letzten Woche. 4. Nachweis: Die Versicherungsbestätigung stellt der Versicherer mit dem von der Ausschreibung geforderten Inhalt aus (Artikel zur Bestätigung, Anfrageliste).
Drei wiederkehrende Fehler: Der allgemeine Wortlaut des Nachweises deckt sich nicht mit der konkreten Anforderung der Ausschreibung (die Deckungssumme fehlt, der Typ stimmt nicht überein); der Nachweis ist abgelaufen oder deckt die Projektlaufzeit nicht ab; und bei einer Konsortial- oder Subunternehmerstruktur ist nicht geklärt, wessen Versicherung was abdeckt (Kettenartikel). Alle drei lassen sich durch einen punktweisen Abgleich von Ausschreibungstext und Police vermeiden.
Wenn Sie eine Ausschreibung in der Hand halten: Bringen Sie den Versicherungspunkt zu einer kostenfreien Beratung mit – ich sage Ihnen, was schon vorhanden ist und was fehlt; wie lange die Nachrüstung dauert, hängt vom Versicherer ab. Wiederkehrenden Bewerbern lohnt es sich, die Deckung dauerhaft „ausschreibungsbereit" aufzubauen – darum geht es in der jährlichen Routine.
Ein Baubetrieb bereitet sich auf die erste ernsthafte Ausschreibung seiner Geschichte vor. Die Unterlagen sind fertig, die Preise stimmen – und im Anhang der Ausschreibung steht die Versicherungsanforderung: eine Haftpflichtdeckung mit festgelegter Deckungssumme, mit Nachweis, bis zur Einreichungsfrist. Die Police des Teams ist deutlich unterdimensioniert, und bis zur Frist bleiben zehn Tage. Die Erhöhung der Deckungssumme und der Nachweis sind im Normalablauf in der Regel machbar – in zehn Tagen ist es eng, aber oft noch lösbar; das Tempo bestimmen die Risikoprüfung und die Durchlaufzeit des Versicherers. Die Lehre für Bewerber: Der Versicherungsanhang gehört nicht in die Einreichungswoche gelesen, sondern an den Tag der Veröffentlichung der Ausschreibung – und wiederkehrende Bewerber sollten ihre Deckung dauerhaft „ausschreibungsbereit" halten.
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